Der Ergo-Blick

Ergotherapeuten interessieren sich vor allem für Alltagsfähigkeiten. Daher ist der Ergo-Blick darauf gerichtet, welche Fähigkeiten gebraucht werden und evtl. eingeschränkt sind. Keine andere Berufsgruppe hat diesen Blick auf die Realitäten des Menschen!

Welche Fähigkeiten brauchen Sie, um diese Internetseite zu nutzen?

Ohne Wahrnehmung durch Ihre Körpersinne können Sie sich nicht bewegen, und ohne Bewegung können Sie nicht wahrnehmen – dies geschieht unbewußt und automatisch, sofern Sie als Kind ausreichend Bewegungs- und Sinneserfahrungen machen konnten.

Hat ein Patient in einem der beschriebenen Funktionen Probleme, ist er in seinem Alltag eingeschränkt – da setzt die Ergotherapie an: mit Fragen, Problem analysieren, adäquate Übungshandlungen anwenden, auf der Basis eines breiten medizinischen und therapeutischen Wissens.

Ihr Gleichgewichtssinn ist zuverlässig

Der Gleichgewichtssinn vermittelt Ihnen das Gefühl, Zentrum Ihrer Welt zu sein. In jeder Faser Ihrer Muskeln ist er anwesend, gibt Ihnen stets Auskunft über die  Koordinaten im Raum (oben-unten, links-rechts und hinten-vorne). Die Leichtigkeit der Aufrechte verdanken Sie diesem Sinn und der engen Zusammenarbeit mit dem Bewegungssinn und dem Sehsinn.  Das Ganze ist automatisiert, damit nicht permanent die Körperstellung kontrolliert und korrigiert werden muss. So wird unser Gehirn frei, sich mit etwas anderem zu beschäftigen.

Ihr Tastsinn ist informativ

Den Tastsinn brauchen Sie, um überhaupt zu wissen, dass Sie existieren. Für sich alleine arbeitet der Tastsinn nicht, um ihn als Informationsquelle nutzen zu können, braucht er zusätzlich eine Bewegung. Maus und Tastatur berühren und erkennen, auch mit geschlossenen Augen. Er sagt Ihnen, wo Sie aufhören und wo die Maus beginnt.

 

Ihr Sehsinn ist intakt

Auf Computerseiten kommt man ohne Sehsinn nicht zurecht – außer auf speziellen Seiten für Sehbehinderte und Blinde. Es ist deutlich, wie sehr Sie ihn brauchen – sonst hätten Sie diesen Menüpunkt nicht anklicken können. Bildschirme machen dem Sehen allerdings erhebliche Probleme, denn die Muskeln des Auges haben nicht viel zu tun, sie müssen die Augen nur ein kleines bisschen hin und her oder auf und ab bewegen, das Fern- und Nahsehen wird gar nicht gefordert. Eigentlich starren die Augen auf die Bildschirme. Den Erwachsenen bringt das bald Brillen ein, den Kindern echte Wahrnehmungsstörungen (Literaturhinweis: Manfred Spitzer – Vorsicht Bildschirm)

Sie können aufrecht sitzen

Um aufrecht sitzen zu können, brauchen Sie die Muskeln von Rücken, Bauch, Schultergürtel und Hals. Die Hüften, Knie und Fußgelenke sind gebeugt, die Füße stehen auf dem Boden, die Wirbelsäule ist mehr oder weniger gestreckt (hängt von der Muskelkraft und vom Stuhl ab). Und Sie brauchen die Fähigkeit, sich aufrecht zu halten, damit Ihre Arme und Hände frei für Ihre Arbeit werden.

Sie haben Kopfkontrolle

An den verspannten Nackenmuskeln merken wir, welche Leistung die Muskeln vollbringen, um den Kopf zu halten. Um den Kopf schmerzfrei und frei halten zu können, brauchen Sie intakte Kopfgelenke und Bandscheiben und ein feines Zusammenspiel vieler Muskeln und Nerven, auch die Augen müssen einwandfrei funktionieren in ihrer Beweglichkeit und Fokussierung.

 

Ihre Tiefensensibilität ist intakt

Durch diesen Sinn wissen Sie zum Beispiel, was aufrecht sitzen überhaupt ist, denn er informiert Sie über die Stellung der Gelenke, die Spannung der Muskeln, meldet Ihnen, ob Sie die die Tasten der Tastatur überhaupt drücken oder die Maus gerade zerdrücken (Kraftsinn). Er gibt Ihnen Ihr Körperbild, ob Sie sich bewegen und wohin Sie Ihre Hand bewegen müssen, um die Maus zu greifen oder Worte mit den Tasten zu schreiben.

Bewegung und Sinne koordinieren

Welch großartige Leistung der Koordination von Auge und Hand! Wenn Sie unscharf sehen, weiß Ihre Hand nicht wohin. Wenn Ihre Hand Ihren Augen nicht folgen kann, ist das ein Grund zum Verzweifeln – und Sie werden bald alles Feinmotorische lassen.

 

Bewegen Sie den Cursor auf dem Bildschirm durch das Muster – feinste Bewegungen mit dem Zeigefinger (mit dem Touchscreen eines Laptops) oder feinste Bewegungen im Handgelenk (mit der Maus). So können Sie erleben, wie Augen und Hände zusammenarbeiten müssen.

 

Fingerbewegungen koordinieren

Wenn Sie das 10-Finger-Schreiben beherrschen, achten Sie doch mal auf das Wunder, das Ihre Finger hier vollbringen – zunächst rein die Bewegung, ohne die geistigen Leistungen (eine Sekretärin schreibt mit ca. 220 Anschlägen pro Minute).  Auch wenn Sie nur die beiden Zeigefinger bewegen erreichen diese eine ganz schöne Geschwindigkeit – achten Sie mal darauf.

 Rechtshänder – Linkshänder

Alles ist auf Rechtshänder abgestimmt. Stellen Sie sich vor, Sie würden die Maus mit der linken Hand benutzen – rechte und linke Maustaste würden mit anderen Fingern gedrückt werden: nicht der Zeigefinger sondern der Ringfinger ist dann der Wichtigste. Linkshänder brauchen, um Ihre Linkshändigkeit leben zu können, stets eine Extra-Ausrüstung, die es mittlerweile wenigstens gibt aber viel teurer ist als eine Standardausführung (obwohl es so viele Linkshänder gibt).