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Virtuell Reality und motorische Imagination

Es ist ein schönes Gefühl, wenn sich Wissens-Fragmente zu einem Ganzen zusammen schließen. So geschehen beim Hören dieser Sendung „Forschung aktuell“ im Deutschlandfunk vom 25.12.2016 über „Virtual Reality“, kurz VR. Die Sendung ist noch ungefähr 1 Jahr dort nachhörbar „Virtuell wird real“>>>.

Sie ist von der ersten Minute an sehr hörenswert, worauf es hier aber ankommt beginnt bei Minute 20

Im Bericht wurde heraus gearbeitet, daß das Gehirn zwar eine Möglichkeit hat, die Realität und die Illusion zu unterscheiden, nicht aber, wenn man innerhalb der VR sich mit einem Körper identifiziert. Als Beispiel wird von einem Programm erzählt, bei dem sich der Proband in einem Körper eines dunkelhäutigen Mannes bewegt – das Ergebnis war: noch eine Woche nach dieser virtuellen Erfahrung waren die Vorurteile gegen dunkelhäutige Männer geringer geworden.

Das ist der entscheidende Punkt: bei der VR geht es nicht wie bei einem Computer-/Videospiel um Spielen, vielmehr macht man wirkliche Erfahrungen, wenn auch ohne Wirklichkeit. Der Angstschweiß in einer virtuellen Situation ist real, das Herzrasen auch.

Dieses Phänomen haben sich Forscher zunutze gemacht, um eine Möglichkeit zu finden, Querschnittsgelähmten mit Hilfe eines Roboteranzuges das Laufen beizubringen. Man wurde sich also klar darüber, daß der Mensch eben nicht nur eine funktionale Gliederpuppe ist, sondern für eine Bewegung auch eine Empfindung braucht.

Bewegung – Wahrnehmung – Empfindung bedingen sich gegenseitig!

Die Forscher arbeiteten also mit ihren Querschnittsgelähmten zunächst ein Jahr lang am Aufbau einer Bewegungsvorstellung, denn sie konnten sich nicht mehr erinnern, wie sich „Laufen anfühlt“. Wie sie dabei vorgegangen sind hört man sich am besten im Beitrag an. Am Ende konnten alle mit Hilfe des Anzugs laufen, einige wechselten von kompletter zu inkompletter Querschnittslähmung, manche konnten mit Krücken wieder selber laufen.

Was in der Neurokognitiven Therapie von Prof. Perfetti entwickelt wurde – auch bei ihm ist der Kern der Therapie die zu erarbeitende Vorstellung der Bewegung und ihrer Empfindung – wird also in ganz anderer Art und Weise aufgegriffen, verstanden und umgesetzt. Die Mittel sind verschieden, die Idee dahinter die gleiche.

Erwähnenswert ist in dem Zusammenhang auch die Spiegeltherapie, die sich das Phänomen der Bewegungsbeobachtung als Reaktivierung gestörter Gehirnareale zunutze macht. Auch hierbei kann die Vorstellung einer gesunden Bewegung und ihrer Empfindung wieder erfahren und erinnerbar werden.