Beispiel: autofahren ist automatisiert, sobald man ein anderes Auto als das gewohnte benutzt, paßt man sich an: Rückwärtsgang, Licht, Nebelleuchten, Hupe sind woanders
Der Blick von ErgotherapeutInnen richtet sich auf die Handlungsfähigkeit. Eine Handlung kann wie ein System verstanden werden: verschiedene Bereiche des Menschen aktivieren, organisieren und koordinieren sich, um das Beabsichtigte zu tun – erfolgreich, wenn sich Absicht und Ergebnis decken. Das System ist dynamisch und veränderbar, das heißt, man lernt auch dazu, korrigiert und paßt sich an.

Als Handlungsbeispiel nehmen wir diese Internetseite und machen uns einmal bewußt, was Sie alles können, um sie zu nutzen.

Ohne Wahrnehmung geht gar nichts!

Ohne Wahrnehmung durch Ihre Körpersinne können Sie sich nicht bewegen, und ohne Bewegung können Sie nicht wahrnehmen – dies geschieht unbewußt und automatisch, sofern Sie als Kind ausreichend Bewegungs- und Sinneserfahrungen machen konnten.

Ihr Gleichgewichtssinn ist zuverlässig

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Gleichgewichtssinn

  • Wo bin ich im Raum? Räumliche Beziehung
  • Wie bin ich im Raum?Aufrecht, liegend, sitzend, in Bewegung oder in Ruhe, bewege ich mich oder die Umwelt, drehend, beschleunigend, bremsend?
  • Was tue ich im Raum? Stehen, sitzen, liegen, springen, gehen, laufen, bücken, klettern, schwimmen?

Der Gleichgewichtssinn vermittelt Ihnen u.a. das Gefühl, Zentrum Ihrer Welt zu sein. In jeder Faser Ihrer Muskeln ist er anwesend, gibt Ihnen stets Auskunft über die  Koordinaten im Raum (oben-unten, links-rechts und hinten-vorne) bezogen auf Lageveränderungen des Körpers in diesem Raum. Die Leichtigkeit der Aufrechte verdanken Sie diesem Sinn und der engen Zusammenarbeit mit dem Bewegungssinn und dem Sehsinn.  Das Ganze ist automatisiert, damit nicht permanent die Körperstellung kontrolliert und korrigiert werden muss. So wird unser Gehirn frei, sich mit etwas anderem zu beschäftigen.

Ihre Tiefensensibilität ist intakt

Durch diesen Sinn wissen Sie zum Beispiel, was aufrecht sitzen überhaupt ist, denn er informiert Sie über die Stellung der Gelenke, die Spannung der Muskeln, meldet Ihnen, ob Sie die Tasten der Tastatur überhaupt drücken oder die Maus gerade zerdrücken (Kraftsinn). Er gibt Ihnen Ihr Körperbild, ob Sie sich bewegen und wohin Sie Ihre Hand bewegen müssen, um die Maus zu greifen oder Worte mit den Tasten zu schreiben.

Ihr Tastsinn ist informativ

Rechtshänder-Linkshänder1Den Tastsinn brauchen Sie, um überhaupt zu wissen, dass Sie existieren. Für sich alleine arbeitet der Tastsinn nicht. Um ihn als Informationsquelle nutzen zu können, braucht er zusätzlich eine Bewegung. Maus und Tastatur berühren und erkennen, auch mit geschlossenen Augen. Er sagt Ihnen, wo Sie aufhören und wo die Maus beginnt. Informationen des Tastsinns warnen uns aber auch und lösen Reflexe aus – z.B. wenn etwas heiß oder spitz ist.

Sie können aufrecht sitzen

Um aufrecht sitzen zu können, brauchen Sie die Muskeln von Rücken, Bauch, Schultergürtel und Hals. Die Hüften, Knie und Fußgelenke sind gebeugt, die Füße stehen auf dem Boden, die Wirbelsäule ist mehr oder weniger gestreckt (hängt von der Muskelkraft und vom Stuhl ab). Und Sie brauchen die Fähigkeit, sich aufrecht zu halten, damit Ihre Arme und Hände frei für Ihre Arbeit werden.

Sie haben Kopfkontrolle

An den verspannten Nackenmuskeln merken wir, welche Leistung die Muskeln vollbringen, um den Kopf zu halten. Um den Kopf schmerzfrei und frei halten zu können, brauchen Sie intakte Kopfgelenke und Bandscheiben und ein feines Zusammenspiel vieler Muskeln und Nerven, auch die Augen müssen einwandfrei funktionieren in ihrer Beweglichkeit und Fokussierung.

Ihr Sehsinn ist intakt

Auf Computerseiten kommt man ohne Sehsinn nicht zurecht – außer auf speziellen Seiten für Sehbehinderte und Blinde, wo die Inhalte vorgelesen werden. Es ist deutlich, wie sehr Sie ihn brauchen – sonst hätten Sie diesen Menüpunkt nicht anklicken können. Bildschirme machen dem Sehen allerdings erhebliche Probleme, denn die Muskeln des Auges haben nicht viel zu tun, sie müssen die Augen nur ein kleines bisschen hin und her oder auf und ab bewegen, das Fern- und Nahsehen wird gar nicht gefordert. Eigentlich starren die Augen auf die Bildschirme. Den Erwachsenen bringt das bald Brillen ein, den Kindern echte Wahrnehmungsstörungen.

Bewegung und Sinne koordinieren

Welch großartige Leistung der Koordination von Auge und Hand! Wenn Sie unscharf sehen, weiß Ihre Hand nicht wohin. Wenn Ihre Hand Ihren Augen nicht folgen kann, ist das ein Grund zum Verzweifeln – und Sie werden bald alles Feinmotorische lassen.

 

Bewegen Sie den Cursor auf dem Bildschirm durch das Muster – feinste Bewegungen mit dem Zeigefinger (mit dem Touchscreen eines Laptops) oder feinste Bewegungen im Handgelenk (mit der Maus). So können Sie erleben, wie Augen und Hände zusammenarbeiten müssen.

 

Fingerbewegungen koordinieren

TastaturWenn Sie das 10-Finger-Schreiben beherrschen, achten Sie doch mal auf das Wunder, das Ihre Finger hier vollbringen – zunächst rein die Bewegung, ohne die geistigen Leistungen (eine Sekretärin schreibt mit ca. 220 Anschlägen pro Minute).  Auch wenn Sie nur die beiden Zeigefinger bewegen erreichen diese eine ganz schöne Geschwindigkeit – achten Sie mal darauf.

 Rechtshänder – Linkshänder

Alles ist auf Rechtshänder abgestimmt. Stellen Sie sich vor, Sie würden die Maus mit der linken Hand benutzen – rechte und linke Maustaste würden mit anderen Fingern gedrückt werden: nicht der Zeigefinger sondern der Ringfinger ist dann der Wichtigste. Linkshänder brauchen, um Ihre Linkshändigkeit leben zu können, stets eine Extra-Ausrüstung, die es mittlerweile wenigstens gibt aber viel teurer ist als eine Standardausführung (obwohl es so viele Linkshänder gibt).