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Lernen

Das Gehirn kann nicht nicht lernen. Es ist das einzige Organ, das sich bis zum letzten Atemzug noch umbaut und organisiert. Das Gehirn gestaltet sich aus den Beziehungen zur Umwelt – zu den Wahrnehmungen, den daraus generierten Handlungen und Bewegungen und den Rückschlüssen aus allem. Lernen bedeutet eine Veränderung der alten Strukturen, als gelernt gilt etwas, wenn es bei ähnlichen Situationen angewendet werden kann. Erst dann hat sich der Mensch weiterentwickelt.

Das Kind ist in seiner Entdeckerlust abhängig von der wohlwollenden Wahrnehmung seiner hauptsächlichen Bezugsperson. Wird das Kind bei seinen Lernprozessen emotonial nicht als positiv wahrgenommen, ist die Entwicklung des Hippocampus (Gedächtnisbildener) und des Frontalhirnes (Steuermann der Handlungen) erwiesenermaßen gestört , weil das Stresshormon Cortisol einen erhöhten Dopamin/Noradrenalin-Spiegel bewirkt. Eine Beschädigung dieser Grosshirnrindenregion wird heute auch als eine der Ursachen für die Entwicklung eines Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndroms angesehen. (Auszug aus „Lernen – Verlag Freies Geistesleben, 2006, Beitrag von Eckhard Schiffer: Salutogenetisches Lernen – dem Lernen nicht die Freude austreiben“, und „Joachim Bauer – Das Gedächtnis des Körpers“).

Um erfolgreich zu lernen und das Gelernte tief ins Gedächtnis einzufügen

muß das zu Lernende verstanden werden
muß der Lernstoff überschaubar sein und Sinn für den Lerner haben
muß das neue Können den Erwachsenen echte Freude machen
muß es einen Lern-Grund geben (eigene, innere Motivation)
muß es zu einer emotionalen Beteiligung kommen

Idealerweise findet sich das theoretisch Gelernte im Leben wieder (Beispiel: Rechnen findet sich beim Einkaufen wieder, Gewichte lernen sich beim Kuchenbacken, … ).

Kinder bauen ihre begriffliche Welt erst auf. Sie lernen erst ab ca. 12 Jahren, in Zusammenhängen denken. Das Gehirn baut sich im Dialog mit der Welt auf – im Wechselspiel von: ich füge ein – ich passe mich an (von Akkomotation und Assimilation, nach Piaget), d.h.: die bereits entdeckten Regeln (in Sprache, Naturgesetzen und im Sozialen) werden angewendet auf das Neue (Akkomotation), Unbekanntes wird entdeckt und das bisherige Denken und Handeln wird angepasst (Assimilation). Das Kind ist offen in diesem Dialog, solange wir uns an seinen Entdeckungen freuen und keine Bewertung von ihm verlangen.

Erwachsene haben ihren Standpunkt bereits. Sie gehen mit ihren Regelstrukturen, Lebenserfahrungen, Urteilen, Lernblockaden und Vermeidungsstrategien auf das Neue zu und ordnen es in ihre Welt ein. Der offene Dialog ist nicht mehr so möglich, wie bei Kindern. Was gelernt werden soll, durchläuft einen Lernprozess, um sich den Lernstoff „Zueigen“ zu machen – wie verstehe ich das, was mache ich daraus. Alles andere bleibt oberflächlich und ist emotionslose Reproduktion. Aber auch das ist zuweilen notwendig, um beispielsweise eine Prüfung zu bestehen. Die Individualisierung erfolgt dann später, wenn das Gelernte angewendet werden muss.

Das ist wie beim Stricken: erst wird das Stricken an sich gelernt, dann wird es geübt, dann plant man einen Pullover – ob er am Ende passen wird? Muss sich mein Körper dem Pullover anpassen, oder der Pullover meinem Körper?

Lerntraining in der Praxis Ergo In-Vivo versucht, den salutogenetischen Ansatz wie oben beschrieben zu verwirklichen. Es setzt an folgenden Punkten an:

nichts Unverstandenes „lernen“
Überblick und Struktur schaffen
sich den Grund des Lernens bewusst machen
bei Kindern: lebensnahes Lernen – Lernen fürs Leben
bei Erwachsenen: Gelerntes individualisieren = sich aneignen und anwenden

Lernsituationsanalyse

Es ist erforscht und gilt als sicher, dass erfolgreiches Lernen bestimmte Bedingungen braucht. Wir unterscheiden dafür innere und äußere Bedingungen und die Einflussfaktoren auf das Lernen, führen ein Störtagebuch, versuchen das Verhalten und Erleben in der Schule und bei Hausaufgaben zu beschreiben – es geht also um den Ist-Zustand.

Die Situationsanalyse verschafft uns also ein realistisches Bild.

Wo kann nun etwas verändert werden und ein Soll-Zustand (optimale Bedingungen) überhaupt verwirklicht werden?
Wie viel Aufmerksamkeitskraft wird verwendet, die gar nicht dem Lernen sondern der Organisation gilt?
Wie viel Aufmerksamkeit wird durch Störungen in der Lernumgebung oder belastenden psychischen Situationen verbraucht?
Habe ich wirklich verstanden, was ich gelesen, gehört, gesehen habe?

Struktur

Struktur verschafft Freiheit für die eigentlichen Aufgaben. Natürlich kostet es erst einmal Zeit und Durchhaltekraft, bis sich die günstigste Struktur „eingeschliffen“ hat – aber es lohnt sich, denn sich zu strukturieren wird zur guten Gewohnheit werden.

Was kann alles organisiert werden?

der Arbeitsplatz
die notwendigen und verwendeten Arbeitsmittel
die Zeit und
die Inhalte

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