Eigentlich versteht man nicht, warum das Kind sich so schwer tut mit dem Lesen und mit der Rechtschreibung, denn es gibt nichts Auffälliges an ihm. Als Eltern hat man alles getan, was möglich und nötig war, hat auf Kindergärtner gehört und auf den Lehrer, sich viel mit dem Kind hingesetzt und geübt, stundenlang sich mit an den Hausaufgaben gequält – und trotzdem ist niemand zufrieden mit den Ergebnissen.

Jedes Kind will lernenAusgangslageTrainingsablauf

Freude am Lernen ist die Bedingung für jeden Lernerfolg. Wie leicht geht diese Freude verloren und Angst vor dem Nichtkönnen bestimmt das Schülerleben:

  • Kinder brauchen ein Lernklima, bei dem sie nicht bewertet und beurteilt und verglichen werden, sondern um ihrer selbst  Willen vorankommen sollen. Nicht um der Beste zu sein, sondern um mit sich zufrieden sein zu können.
  • Kinder brauchen eine würdige Fehlerkultur – Fehler machen ist nicht schlimm, sind sie doch ein Hinweis darauf, wo man sich verbessern soll. Es gibt Kinder, die fühlen sich als Person entwertet, wenn sie Fehler gemacht haben. Kinder sind aber nicht nur Schüler, sie müssen sich auch in ihrer Persönlichkeit weiter entwickeln. Es kann zu einem regelrechten Teufelskreis kommen, wenn die Fehlerquelle nicht erkannt wird.
  • Ordnung und Struktur von Raum, Zeit und Lerninhalten können den Kindern helfen, all die Anforderungen besser zu bewältigen – Wahrnehmungen und Sinneseindrücke, die Gedanken und die Handlungen ordnen sich, lassen sich besser nach wichtig/unwichtig unterscheiden. Wer das kann, gewinnt an Selbstsicherheit und -vertrauen.

Weiterführende Infos:

Wie Sie Gesundheit und Lernfreude Ihres Kindes fördern können„, Eckard Schiffer

Warum Huckleberry Finn kein Ritalin brauchte„, vom selben Autor

Gerald Hüther „Das selbstorganisierte Kind

Kinder sind neugierig, wollen lernen, sich entwickeln – das geht auf eine angeborene Gabe zur Selbstorganisation zurück und ist eine Erkenntnis, die die Hirnforschung wissenschaftlich belegt hat.

Warum diese Eigenschaften verschwinden und Kinder spätestens ab der vierten Klasse keine Lust mehr haben zu lernen, dafür haben die Hirnforscher keine Erklärung. Das müssen wir uns selbst fragen.

Nachdem Sie Ihr Kind zum Training angemeldet haben setzen wir uns zunächst zu einem Elterngespräch zusammen. Die Anamnese ist wichtig, gibt sie doch vielleicht schon erste Hinweise, die im Zusammenhang mit den aktuellen Problemen stehen.

Um herauszufinden, wo die Ursache zu finden ist, begutachte und beobachte ich das Kind in bestimmten Zusammenhängen:

Motorik und Dominanz

Es zeigt sich schon an einfachen Bewegungsaufgaben, die man ihm vormacht und mündlich anweist, ob sich das Kind so bewegt, wie es sich das selber vorstellt, ob es Gesehenes und Gehörtes in Bewegung umsetzen kann, ob Sehen und Hören zum selben Ergebnis führen, wie das Gleichgewicht und der Bewegungssinn arbeiten, ob es bereits innerlich spiegelt (Gegenüber nachmachen), ob es sich im Raum richtig orientiert und links-rechts, oben-unten und hinten-vorne unterscheidet und wie die Bewegungskontrolle und -koordination sind.

Sinne und Wahrnehmung

Bei den Sinnesleistungen unterscheide ich die reine Wahrnehmung und die Verarbeitung der Wahrnehmung. Ersteres ist eine physische Angelegenheit der Sinnesorgane, zweiteres eine sensitiv-kognitive.  Besonderen Wert lege ich auf die Überprüfung des Sehens und Hörens und der Bewegung – ergeben sich Anhaltspunkte einer Unreife oder Fehlentwicklung empfehle ich weiter an die Funktionaloptometrie und Pädaudiologie. Da es auch sehr feine Zusammenhänge mit den Strukturen der Halswirbelsäule gibt, empfehle ich bei Auffälligkeiten im Sehen und der Qualität der Bewegung an einen Kinder-Osteopathen.

Wie die Sinne zusammenarbeiten lesen Sie bitte hier >>>

Computer-Test

Ab Schulalter setze ich ein Computer-Testprogramm ein, um das Kind auch in dieser Situation beobachten zu können und eine erste Auswertung in den Bereichen Aufmerksamkeit, visuelle und auditive Wahrnehmung, Raumorientierung und Körperschema zu erhalten.

Fehleranalyse

Die Rechenfähigkeiten entwickeln sich Schritt für Schritt und zunächst auf der Handlungsstufe, dann auf der Bildebene, später mit Symbolen. Mathetests lassen gut erkennen, auf welcher Stufe das Kind problemlos agieren kann und wo das Nichtverstehen beginnt.

Eine genaue Schreibanalyse anhand eines diktierten und abgeschriebenen Text ist die Grundlage für das Training an den Symptomen selber. Sie dient auch als Anregung für die Übungen zuhause, wobei es nicht darum geht, falsche Wörter zigmal richtig zu schreiben und zu lesen. Vielmehr liegt beispielsweise hinter den Fehlern bei der Groß-/Kleinschreibung eine Unsicherheit bei den Wortarten oder ein ungenügendes Wortverständnis (Wortbedeutung)

Alles, was für den Erwerb der Schriftsprache eine Rolle spielt, wird begutachtet – Sinnesleistungen, Wahrnehmungsverarbeitung, motorische Entwicklung, Dominanz, Handfunktionen und Feinmotorik, Sprachverarbeitung und Gedächtnis.

In den beschriebenen Fallbeispielen können Sie das Konzept verfolgen.

Nachdem im diagnostischen Teil die Trainingsschwerpunkte festgelegt wurden, ergibt sich für die kommenden Stunden ein Trainingsplan. Eine Stunde gliedert sich stets in drei Bereiche:

Bewegen

Je nach Erfordernis üben wir Bewegungen, die das Kind zentrieren, zur Ruhe und Aufmerksamkeit bringen, oder zur Aktivität führen. Das Instrument „Körper“ wird in jedem Fall trainiert, gilt es doch, es geschickt, kontrolliert und trotzdem frei zur Verfügung zu haben. Die Aufmerksamkeit soll geweckt bzw. gerichtet werden, und das geschieht durch die Aufrichtung des Körpers, die Freude an seinen Fähigkeiten und durch ein Ziel. Kombiniert mit kognitiven Aufgaben sprechen die Übungen die Flexibilität des Denkens, das Arbeitsgedächtnis und den Bewegungssinn an.

Wahrnehmen

Mit drei Grundthemen haben wir es in diesem Bereich zu tun, mit der

  • visuellen Verarbeitung,
  • auditiven Verarbeitung und der
  • Raumwahrnehmung

Wichtig ist die Verbindung von Bewegung und Wahrnehmung, denn beide bedingen sich gegenseitig. Kein einziges Sinnessystem erhält Informationen ohne eine Bewegung, und sei sie noch so fein (wie z.B. die Augenbewegungen, oder auch die der Gehörgelenke Amboß, Steigbügel und Hammer, der Schall entsteht nur durch Bewegung des Objektes).

Daher arbeiten wir unter anderem mit dem Formenzeichnen, um Richtungen, Reihenfolgen, Größen und Distanzen körperlich wie visuell einzuüben und damit die Aufmerksamkeit zu wecken.

Auch im auditiven Bereich gilt es, Unterschiede und Reihenfolgen zu erkennen und anzuwenden. Dies wird geübt mit „bewegtem Sprechen“ von Sprüchen und Versen, in leicht empfindbaren Sprachrhythmen und in Silben. Dem Silbensprechen und -schreiben messe ich eine elementare Bedeutung zu.

Die Raumwahrnehmung und die Richtungsempfindung basieren auf dem Gleichgewichtssinn und sind von großer Bedeutung für das Rechnen und Schreiben. Ist beides körperlich gut verankert wird sich als Folge die räumliche Vorstellung verbessern, was die Voraussetzung ist für die Verinnerlichung des Zahlenstrahls und dem freien Bewegen im Zahlenraum.

Symptome

Speziell geübt wird anhand der Fehleranalyse, sowohl im Schreiben und Lesen wie auch im Rechnen. Begonnen wird am sicheren Entwicklungsstand und Schritt für Schritt aufgebaut zum Stand der schulischen Anforderungen.