Drei Fallbeispiele – drei sehr unterschiedliche Geschichten und Trainingspläne. Beschrieben wird eine Trainingssequenz von 10 Stunden, die Diagnostikstunden fanden zuvor statt. Erkennbar ist für Sie, was in die Trainingsplanung einfließt, wie begutachtet wird, wie die Trainingsschritte und -inhalte sein können und wie die Situation für das Kind zum Abschluß war.

LRS: Mädchen 9 J.LRS: Mädchen 9 J.Dyskalkulie: Junge 11 J.

A. wurde in das Training aufgenommen, weil sie große Schwierigkeiten in der Schule hatte. Betroffen waren alle Fächer, in denen es auf Textverständnis ankommt: Deutsch, Textaufgaben in Mathe, HSU. Die zahlreichen und hartnäckigen Rechtschreibfehler veranlassten die Lehrerin, einen Legasthenietest in die Wege zu leiten, was zur Diagnose LRS führte. Die Eltern wollten daraufhin ein Lese-Rechtschreibtraining durchführen lassen, parallel zu einer Logopädie (auditive Wahrnehmungstherapie).

Anamnese:

Die Vorgeschichte deutet schon darauf hin, daß es zu Schwierigkeiten beim Erwerb des Lesens und Schreibens kommen kann: A. mußte im Kleinkindalter am Auge operiert werden (Schiel-OP). Die Entwicklung der Raumorientierung und der Auge-Hand-Koordination war daher nicht ungehindert möglich. Auch nach der Korrektur hat sich der visuelle Raum nicht vollständig entwickelt. Vor allem betroffen war die horizontale Ausrichtung der Blickachsen: es entstand kein ruhiges, stabiles und rasch deutbares Bild aus den beiden Seheindrücken. Erst die Versorgung mit einer Prismenbrille versetzte Alexandra in die Lage, beim Lesen auch auf Inhalte zu achten, sich Wortbilder zu merken und mit den Klangbildern zu vereinen und auch auf das Schreiben anzuwenden.

Wegen der eingeschränkten Gleichgewichtsfähigkeiten entwickelte sich die Raumorientierung nur langsam, sodaß sie sich unsicher bei Richtungen war und Schwierigkeiten bei der räumlichen Vorstellung hatte. Dies alles hat sie gut nachgeholt, sodaß es im Training jetzt um den Aufbau des Wortschatzes gehen kann, dem sinnentnehmenden raschen Lesen, der Anwendung der Regeln und der psychischen Stabilisierung. Der Leidensdruck in schulischen Dingen war groß, das Interesse am Lesen sehr gering, und die Freizeit wurde am Fernseher verbracht. Sie zog sich immer mehr in ihr familiäres Umfeld zurück, hatte wenig Außenkontakte und kaum Interessen.

Diagnostik:

Computer-Test: Aufmerksamkeit:

Es zeigte sich eine leichte Aufmerksamkeitsreduktion bei den Übungen mit Halbsymbolen, eine etwas größere bei den Übungen mit Symbolen, eine starke Reduktion bei den Übungen mit Bildern. Wobei sie anfängliche Verständnisschwierigkeiten hatte, dann aber immer sicherer wurde.

Computer-Test: Sinne:

Erforderliches Training in den Bereichen

  • Optisches Gedächtnis
  • Akustische Differenzierung
  • Akustische Serialität
  • Raumorientierung

Schreibprobe

Zusammenfassung: Der Schreibvorgang selber ist geprägt von räumlicher Unsicherheit und Ängstlichkeit. Sie hat Mühe, das Gehörte (Klangbild) zu analysieren und ins Wortbild zu übertragen. Der Schreib-Wortschatz ist nicht sicher aufgebaut, sodaß auch häufig vorkommende Wörter immer wieder neu überlegt werden müssen. Das Selbstgeschriebene zu lesen fällt ihr sehr schwer.

Es zeigen sich hauptsächlich Merkfehler bei Dehnung und Schärfung, bei der Anwendung von äu oder eu und bei der Groß-Kleinschreibung und bei der Unterscheidung von v und f.

Auch läßt sie hin und wieder Buchstaben aus oder vergißt i-Punkte.

Beim Abschreiben war zu beobachten, daß sie die Zeile nicht auf Anhieb wiederfindet und häufig auf den Text schauen muß. Das Schriftbild ist ungleichmäßiger, als beim Diktat.

Textanalyse Details:

Textanalyse der Schreibprobe schreibprobe-a

1. Teil: einen unbekannten Text diktiert

Schrift:

  • klar, deutlich, gut leserlich. Stockender Schreibrhythmus
  • Unsicherheit bei der Formwiedergabe der Buchstaben
  • häufiges Absetzen und Überlegen beim Schreiben eines Wortes

Raumaufteilung:

  • unterschiedliche Größe der Buchstaben
  • unterschiedliche Abstände der Wörter untereinander
  • ungleiche Zeilenabstände, ungleiche Schriftgröße
  • Schreiblinie wird nicht eingehalten

Allgemeines:

  • langsames Schreibtempo
  • unsicher, ängstlich
  • Merk-/Speicherfehler (äuch, vertig)
  • Merk-/Speicherfehler in der Groß-Kleinschreibung (merken)
  • Speicherfehler bei der Schärfung (spanend, bischen)
  • Auslassungen von Buchstaben und i-Punkten
  • An den ausgestrichenen Wörtern ist zu sehen, daß eine Schwierigkeit bei der Reihenfolge der Buchstaben vorliegt. Offenbar kontrolliert sie sich aber, und Fehler dieser Art fallen ihr auf.

2. Teil: Text aus dem Buch abschreiben (Beobachtungen)

  • häufiges Hinschauen zur Vorlage
  • verlieren der Zeile
  • es wird mehr abgemalt, als ein verstandener Text geschrieben.

Der gesamte Text wurde aber fehlerfrei abgeschrieben.

Leseprobe

Sie versuchte möglichst flüssig zu lesen, hat wenig gestockt, ist aber sehr angespannt und ängstlich dabei. Bei der Wiedergabe des Gelesenen zeigte sich, daß sie den Sinn nicht ganz verstanden hat.

  • angespannt, versucht flüssig zu lesen, verliert dabei den Sinnzusammenhang
  • beeinträchtigtes Sinnverständnis
  • kann nur angestrengt und lückenhaft wiedergeben, was sie gelesen hat

Trainingsplan

Das pädagogische Gutachten ist die Grundlage des Trainingsplanes für die ersten 10 Stunden

Um ein kontinuierliches Training zu erreichen erhält A. ein Trainingsbuch für zu Hause, in das die wöchentlichen Übungen eingetragen werden. Ein tägliches Training von ca. 15 bis 20 Minuten sollten im Tagesablauf dafür eingeplant werden.

Nach jeder Woche werden wir in einem gemeinsamen Gespräch den Verlauf besprechen.

S. wurde in das Training aufgenommen, weil die Lehrerin empfohlen hat, an der Schrift und an den Schreib- und Leseproblemen zu arbeiten.

Besonderheit: Mutter ist türkischen Ursprungs, in England aufgewachsen, Hauptsprache englisch. Vater ist türkischen Ursprungs in Deutschland geboren, Hauptsprache türkisch, spricht aber inhaltlich einwandfreies Deutsch,mit Akzent.

Mutter versteht die deutsche Sprache nicht zu 100%. Zuhause wird türkisch und englisch gesprochen. S. wächst also 3-sprachig auf, Muttersprache englisch-türkisch. Deutsch ist für sie wie eine Fremdsprache und die erste Sprache im Schreiben und Lesen.

Bei der Beobachtung fiel immer wieder auf, daß S. ein recht ungenaues Wortverständnis hat, der aktive Wortschatz ist im Deutschen nicht sehr umfangreich. So schreibt sie meist nach Gehör und erfaßt den Inhalt nicht immer. Grammatikalische Fehler fallen ihr beim Schreiben und Lesen nicht auf, beim Hören und Sprechen schon, Rechtschreibfehler fallen ihr selber nicht auf.

Anamnese:

Die körperliche und kognitive Entwicklung war ohne Auffälligkeiten, abgesehen vom Ausbleiben der Krabbelphase. S. wurde erst mit 3 Jahren mit der deutschen Sprache konfrontiert, als sie in den Kindergarten kam. Laut Eltern verweigerte sie den Kindergarten lange Zeit , auch die ersten beiden Schuljahre waren von Ablehnung geprägt.

Diagnostik:

Computer-Test: Aufmerksamkeit:

Es zeigte sich eine leichte Aufmerksamkeitsreduktion bei den Übungen mit Halbsymbolen, eine etwas größere bei den Übungen mit Symbolen, eine starke Reduktion bei den Übungen mit Bildern. Wobei sie anfängliche Verständnisschwierigkeiten hatte, dann aber sicherer wurde.

Computer-Test: Sinne:

Erforderliches Training in den Bereichen

  • Optische Differenzierung, optische Serialität
  • Akustische Serialität
  • Raumorientierung und Körperschema

Empfohlenes Training in den Bereichen

  • Optische Serialität
  • Optisches und akustisches Gedächtnis
  • Akustische Differenzierung

Schreibprobe

Zusammenfassung: Der Schreibvorgang selber ist geprägt von räumlicher Unsicherheit. Der Zeilenbeginn ist nach rechts verschoben, die Zeilenabstände sind ungleich. Das kleine s zieht sie häufig unter die Schreiblinie, das Fragezeichen gelang ihr nicht auf Anhieb.

Es zeigen sich hauptsächlich Merk- und Speicherfehler bei Dehnung und Schärfung, bei der Groß-Kleinschreibung und bei der Unterscheidung von v und f.

Auch läßt sie hin und wieder Buchstaben aus, vergißt häufig i- und Umlaut-Punkte.

Sie ist sich nicht immer der Bedeutung des Wortes bewußt, daher fallen ihr die Wortarten, Vor- und Endsilben und die Ableitungen von Stammwörtern nicht auf.

Dies gilt auch für das Abschreiben

Textanalyse Details:textanalyse-s

1. Teil: einen unbekannten Text diktiert

Schrift (Es wurde bewußt ein linienfreies Blatt verwendet, um den Schreibfluß, die Größenkonstanz und Beibehaltung der Schreibrichtung zu beobachten):

  • Stockender Schreibrhythmus

Raumaufteilung:

  • Beginnt mit großem Abstand von der linken Blattseite, von Zeile zu Zeile rückt der Beginn weiter nach links zum Rand.
  • Ungleiche Zeilenabstände

Allgemeines:

(S. meinte: den Text verstehe sie teilweise inhaltlich nicht, daher habe sie die Schreibweise geraten und nach Gehör geschrieben, viele Wörter kenne sie nicht)

  • langsames Schreibtempo, lustlos
  • häufiges Auslassen von i-Punkten und den Strichen der Umlaute
  • Merk- und Speicherfehler: zwei Wörter zusammen geschrieben (wieget statt wie geht)
  • Merk- und Speicherfehler bei Dehnungen (get, libe, dises) und Schärfungen (spanend, mercken, verrükt)
  • Merk- und Speicherfehler (Wortbedeutung) häufig vorkommender Wörter (seit statt seid)
  • Merk- und Speicherfehler bei der Groß-Kleinschreibung (nach dem 1. Komma groß weitergeschrieben: Libe Kinder, Vertig, geschichte. Auch beim Abschreiben: Verukt, statt verrückt)
  • Merk- und Speicherfehler: Vorsilbe ver nicht erkannt bei verrückt
  • Merk- und Speicherfehler: Endsilbe …end nicht erkannt

2. Teil: Text aus dem Buch abschreiben

  • häufiges Hinschauen zur Vorlage
  • Fehlerhaft.
  • Hat nicht sinnentnehmend mitgelesen, wußte nicht, was sie schreibt,
  • achtet ungenügend auf das Wortbild und bemerkt die Fehler nicht.

4. Teil: Beispiel eines selbst verfassten Textes (eine Geschichte fertig erzählen):

Der Mond flüsterte Lilli etwas ein das im Himmel die Wolken den Regen machten. Und die Sterne Blinkten vom Himmel herunter Aber dan wollten die Sterne Scheinen aber die wolken wollten es Regnen lasen und sie striten und striten bis der Mond sagte das sie sich nicht streiten müssen das sie zusamen ihre Arbeit machen können.“

Grammatikalisch zeigt sich: zwar ein durchgängiger Gedankengang, aber nicht strukturiert nach dem Sprachaufbau der deutschen Sprache. Wenig Gliederung, kaum ein Anfang und ein Ende gesetzt, kaum ein Bewußtsein der Wortarten.

Leseprobe

Bei der Wiedergabe des Gelesenen zeigte sich, daß sie den Sinn nicht ganz verstanden hat, weil sie manche Wörter nicht kennt.

Beobachtung: sie nimmt den Text unverstanden hin, versucht kaum, ihn zu verstehen, und merkt sich die Wortbilder nicht.

  • beeinträchtigtes Sinnverständnis
  • gibt an, den Text nicht verstanden zu haben, Worte nicht zu kennen
  • liest stockend

Eigenen Text verfassen

Auch hierzu hatte sie keinerlei Ansporn. Trotzdem läßt sich an dem Text der verinnerlichte Wort- und Satzaufbau, die Sprachentwicklung erkennen. So scheint sie Gedanken wenig zu strukturieren (einen Anfang und ein Ende zu finden), sich auch nur wenig um die Anwendung ihres (durchaus vorhandenen) Rechtsschreibwissen’s zu kümmern und wenig Möglichkeiten des sprachlichen Ausdruckes zur Verfügung zu haben.

Auditive Wahrnehmungsverarbeitung

S. wurde pädaudiologisch untersucht, mit dem Ergebnis: alle Funktionen sind überdurchschnittlich gut, mit Ausnahme des auditiven Gedächtnisses.

Visuelle Wahrnehmungsverarbeitung

Der Test ergab: Schwierigkeiten in den räumlichen Aufgaben und bei der Figur-Grund-Wahrnehmung, sowie Unsicherheit bei der Formkonstanz.

Beobachtet wurde eine große Haltungsveränderung, wenn sie genau schauen mußte, und die Unterdrückung eines Auges. Daher wurde sie optometrisch untersucht mit dem Ergebnis: es liegt keine Winkelfehlsichtigkeit vor, aber eine Trägheit der Augenbewegung. Vor allem beim Wechsel von Fern zu Nah und umgekehrt (betrifft das Abschreiben).

Trainingsplan

Um ein kontinuierliches Training zu erreichen erhält S. ein Trainingsbuch für zu Hause, in das die wöchentlichen Übungen eingetragen werden. Ein tägliches Training von ca. 15 bis 20 Minuten sollte im Tagesablauf dafür eingeplant werden.

Nach jeder Woche werden wir in einem gemeinsamen Gespräch den Verlauf besprechen.

Anamnese:

P. geht in die Sehbehindertenschule und anschließend in die Tagesbetreuung, wo er therapeutische Unterstützung erfährt, Extra-Förderstunden (Rechnen) und Hausaufgabenbetreuung bekommt. Die Schule trainiert ihn nicht vom Sehen zum Tasten, Brailleschrift ist nicht notwendig. Lesen und Schreiben, sowie die Lernfächer bewältigt er ohne außergewöhnliche Schwierigkeiten.

P. ist ein Frühgeborenes (24. SSW), mit unausgereifter Lunge, Retinaeinblutung und einer Gehirnblutung während der Brutkastenzeit. Zahlreiche Krankenhausaufenthalte und Operationen hat er hinter sich, und war daher in seiner Motorik- und Raumwahrnehmungs-Entwicklung zurück. Sehr konsequentes Sehtraining durch die Mutter haben ihn die Lage versetzt, Seheindrücke zu verarbeiten, so daß lediglich die Sehstärke eine echte Behinderung (100%) bedeutet. Es liegt keine geistige oder andere körperliche Behinderung vor, allerdings wurde er im mathematischen Teilbereich als lernbehindert eingestuft (wobei der Test visuelle Normalleistung erfordert, und P. einfach langsamer erkennt).

Auch in der Schule wurde ein Dyskalkulie-Test durchgeführt, dessen Ergebnisse mir nicht bekannt sind, und ein Rechentraining durchgeführt.

Allgemeines:

  • Insgesamt schwach (Bewegung, Durchhalten, Wachheit)
  • Glaubt nicht, daß er sich verbessern kann.
  • Wenig Planung (motorisch, handlungsbezogen, Wahrnehmungserwartung)
  • Die Aufmerksamkeit ermüdet rasch, die meisten Fehler entstehen durch die mangelnde Konzentration und das zu geringe Bewußtsein der Wahrnehmungen!
  • Hat nicht gelernt, eigene Gedankengänge zu Ende zu bringen (Mutter nimmt ihm das Denken ab, wenn sie täglich mit ihm übt).

Diagnostik

Computer-Test Aufmerksamkeit:

Insgesamt ist P. am Computer aufmerksamer und ausdauernder, als beim Arbeiten mit Arbeitsblättern am Tisch. Trotzdem ergab sich ein stark schwankendes Aufmerksamkeitsniveau. Die größte Einschränkung lag bei den Bilder-Aufgaben und den Aufgaben mit Symbolen, ziemlich stabil bei nur leicht reduziertem Level bei den Aufgaben mit Halbsymbolen.

Computer-Test Sinne:

Überaschenderweise ergab der Test der Sinnesleistungen den größten Trainingsbedarf im akustischen Bereich, und nicht wie zu erwarten war, im optischen und der Raumorientierung.

Training erforderlich:

  • akustische Differenzierung und Serialität

Training ratsam:

  • Optische Differenzierung und Serialität

Lernausgangslage:

  • Die Zuordnung Menge zu Symbol ist vorhanden, auch wenn er sich bei größeren Zahlen die Menge nicht auf Anhieb vorstellen kann.
  • halbieren und verdoppeln im kleinen Zahlbereich (bis 20) war möglich, im größeren Bereich nicht mehr
  • Addieren ohne Zehnerübergang war gut, mit Zehnerübergang nicht möglich, addiert wurde nicht zählend.
  • Vergißt die erforderliche Rechenoperation (7 + 8 = 78)
  • Ergänzen (Lückenaufgaben) war möglich wenn es sich um glatte Zehner handelte (Beispiel: 60 = 10 + ?), aber nicht z.B. 50 = 25 + ?.
  • Die Orientierung auf dem Zahlenstrahl ist vom Grunde her vorhanden, es gibt aber große Schwierigkeiten in der Abschätzung von Distanzen. Welche Zahl größer oder kleiner ist weiß er gleich.
  • Rückwärtszählen bereitet große Mühe. In Einer- und Zehnerschritten ging es einwandfrei, in Zweierschritten gar nicht.
  • Schokolade teilen“: Orientiert am Bild kam er nach langer Überlegung zu einem richtigen Ergebnis, konnte die Rechnung aber nicht formulieren/aufschreiben.
  • Die Orientierung am Hunderterbrett ist grundsätzlich möglich, wenn die Zehnerreihen und Zahlenspalten am Rande stehen, braucht aber sehr lange, bis er eine Zahl einem Ort zuordnen kann.
  • Die Rechenzeichen werden zwar verstanden, auch nicht verwechselt, führen aber nicht zur entsprechenden Handlung. Wird die Rechenoperation anschaulich gemacht (z.B. mit Steinen), kommt er zu richtigen Ergebnissen. Das Ist-gleich-Zeichen hat er noch nicht verstanden.

Fragen-Katalog Dyskalkulie (alle Fragen, die mit Ja beantwortet werden können)

Das Kind benötigt ungewöhnlich viel Zeit für Rechenoperationen und zeigt schnell einen Erschöpfungszustand
Zahlenräume und Mengen können schlecht erfasst werden
Schwierigkeiten beim Zehner-/Hunderterübergang
Reversieren von Zahlen
Beim Kopfrechnen können Zwischenergebnisse nicht gespeichert werden
Schwierigkeiten bei der Wahrnehmung und Reproduktion räumlicher und zeitlicher Abfolgen
Textaufgaben und Rechenaufgaben mit zusätzlichen Texten bereiten große Schwierigkeiten
Widersprüchliche Ergebnisse werden nicht bemerkt

Beobachtungen:

  • Aufgaben, die eine räumliche Vorstellung und eine motorische Planung erfordern, sind ohne Hilfe nicht lösbar. Er verwechselt rechts und links, oben und unten, muß sich konzentrieren und häufig korrigieren, um in die gewollte Richtung zu bewegen (z.B. beim Zeichnen von Formen, bei Spielen zur Raum-Lage, und beim Zeichnen von Uhrzeiten).
  • Schwierigkeiten, Zusammenhänge zu erkennen, bzw. vom Ganzen auszugehen (z.B. Zahlen zerlegen, nach einer Vorlage bauen)
  • Nach ca. 15 Minuten Beschäftigung mit Zahlen und Rechnen wird er sehr müde. Geht man dann zum handelnden Rechnen über, wird er wieder hellwach, und kann innerlich gut folgen und Aufgaben lösen.
  • Die Simultanerfassung umfaßt 4 bis 5 Objekte (visuell und ohne zu zählen)
  • Die Vertauschung von Zahlen betrifft nur die Zehner-/Einerstellen. Dies läßt sich auf die sprachliche Besonderheit im Deutschen zurückführen (die Einer vor dem Zehner zu sprechen). Andere Zahlen werden nicht vertauscht.

Trainingsplan:

Um ein kontinuierliches Training zu erreichen erhält P. ein Trainingsbuch für zu Hause, in das die wöchentlichen Übungen eingetragen werden. Ein tägliches Training von ca. 15 bis 20 Minuten sollten im Tagesablauf dafür eingeplant bzw. in das sowieso stattfindende elterliche Üben integriert werden.

Alle 2 Wochen werden wir in einem gemeinsamen Gespräch den Verlauf besprechen.