paragraphenzeichenOb ein Kind mit einer zukunftsrelevanten Störung bei der Rechtschreibung, dem sinnentnehmenden Lesen oder dem Umgang mit Zahlen zu tun hat, muß, soll es zu einer Kostenübernahme durch das Jugendamt kommen, in einem umfassenden Testverfahren auf verschiedenen Ebenen festgestellt werden:

  • Psychologische Ebene: Psychologen testen die Intelligenz, Sprachentwicklung, kognitive Entwicklung, Lernfähigkeit und den psychosozialen Zustand
  • Medizinische Ebene: Ärzte und Ergotherapeuten überprüfen die körperlichen Bereiche, testen die Wahrnehmungs- und Bewegungsfähigkeiten
  • Pädagogische Ebene: Pädagogen und Legasthenie-/Dyskalkuliefachleute testen die Lese-, Schreib- und/oder mathematischen Fähigkeiten und machen eine Fehleranalyse

Um ein Attest für die Schule zu erhalten, ist eine psychologisch-pädagogische Diagnose notwendig, die auch für einen Antrag zur Übernahme der Therapie-Kosten durch das Jugendamt herangezogen wird. Geregelt ist das in der Sozialgesetzgebung im SGB VIII §35a „Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche“, bzw. zur „Verhinderung einer seelischen Behinderung“.

Die Regelung in Bayern „„Förderung von Schülern mit besonderen Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und des Rechtschreibens“ finden Sie auf der Seite der Staatlichen Schulberatung Bayern

LegasthenieDyskalkulieGesetze Bayern

Text vom Jugendamt Nürnberg >>

Kinder mit einer Legasthenie haben erhebliche Probleme mit dem Erlernen der Rechtschreibung und/oder des Lesens.

Schreiben

Rechtschreibprobleme sind gekennzeichnet durch besondere Fehlerhäufung in einem oder mehreren der folgenden Punkte:

  • Hohe Fehlerzahl bei ungeübten Diktaten
  • Schwierigkeiten beim Abschreiben von Texten
  • Grammatik- und Interpunktionsfehler
  • Ersetzen von Wörtern durch ähnlich klingende Wortgebilde
  • Unleserliche Schrift oder viele Hineinverbesserungen in das Wort

Bestimmte Fehlertypen wie Buchstabenverwechslungen (z.B. „b“ zu „d“) oder Verstöße gegen die Regeln der Groß-/Kleinschreibung oder der Dehnung/Verkürzung (wie z.B. bei Wohnung und Wonne) kommen gehäuft vor, sind aber nicht so „typisch“ wie oft behauptet wird.

Lesen

Leseprobleme sind gekennzeichnet durch einen oder mehrere der folgenden Punkte:

  • Auslassen, Ersetzen oder Hinzufügen von Wörtern oder Wortteilen
  • Geringe Lesegeschwindigkeit
  • Ersetzen von Wörtern oder Wortteilen durch ein semantisch ähnliches Wort
  • Verlieren der Zeile im Text
  • Mangelndes Leseverständnis (d.h. Unfähigkeit, aus dem Gelesenen den Sinn zu entnehmen)

Außerdem kann es durch das andauernde schulische Versagen zu seelischen Problemen kommen und es können folgenden Symptome auftreten: Schulangst, Schulunlust, Schulschwänzen, Bauchschmerzen, Schlafstörungen und ähnliches (besonders vor Diktaten), Einnässen, Unruhe /Hyperaktivität, „Klassenkasper“-Verhalten.

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Bei der Dyskalkulie handelt es sich um eine Teilleistungsstörung im Bereich des Verständnisses für Mengen und Zahlen sowie im Umgang mit elementaren Rechenoperationen. Grundlegendes mathematisches Verständnis wird nicht oder nur sehr verschwommen ausgebildet, so dass darauf aufbauendes Verständnis mathematischer Zusammenhänge nicht erarbeitet werden kann.

Die Kinder zeigen Probleme mit:

  • der räumlichen Wahrnehmung und Durchgliederung, vor allem mit der rechts-links-Unterscheidung und der Unterscheidung von Länge – Höhe – Breite
  • Zahlenreihenfolge (sog. „Zahlendreher“ gemäß der akustischen Reihenfolge: z.B. für einundachtzig 18 statt 81 oder für neunundvierzig 94 statt 49)
  • bei Rechenoperationen gibt es vielfältige Verwechslungen, insbesondere werden Subtraktion und Division oft nicht verstanden

Auch bei Dysklakulie können die Kinder seelische Probleme entwickeln wie bei der Legasthenie.
Die Möglichkeit eines Nachteilsausgleichs (Notenbefreiung) sowie das eventuelle Vorliegen einer (drohenden) seelischen Behinderung und die Notwendigkeit spezieller Förderung innerhalb oder auch außerhalb der Schule sind so wie bei der Legasthenie zu prüfen.

Sollen die Kosten von den öffentlichen Kassen (Jugendamt) übernommen werden, und soll eine Notenbefreiung in der Schule erreicht werden, ist eine umfangreiche Diagnostik beim Schulpsychologen und/oder Kinder- und Jugendpsychiater notwendig. Damit wird die Schwere der Legasthenie festgestellt, in welchen Teilbereichen das Kind besondere Schwierigkeiten hat, und wo der Therapie-Schwerpunkt liegen sollte.

Wer diesen offiziellen Weg nicht gehen möchte und die Trainings-Kosten selbst übernimmt, kann sein Kind von Dipl. Legasthenietrainern testen lassen. Diese Tests umfassen folgende Bereiche:

  • Aufmerksamkeit (Allgemein, besonders Hören und Sehen)
  • Wahrnehmungsfunktionen (Hören, Sehen, Raum, Bewegung, Reihenfolgen,Transfer von einem Sinnessystem in ein anderes, Integration der Wahrnehmungen)
  • Symptome (Fehleranalyse)

Text Jugendamt Nürnberg >>

Auf Ihren Wunsch wird untersucht, ob bei Ihrem Kind eine drohende oder bereits eine manifeste seelische Behinderung vorliegt. Sollte dies der Fall sein, kann beim Amt für Allgemeinen Sozialdienst ein Antrag auf Eingliederungshilfe nach § 35a Kinder- und Jugendhilfegesetz zur Finanzierung von Fördermaßnahmen gestellt werden.

Adressen: „Amt für Allgemeinen Sozialdienst“ …

Immer sollte auch die Möglichkeit eines „Nachteilsausgleichs“ (Notenbefreiung) durch die Schule und spezieller schulischer Förderung geprüft werden.

Wenn Sie sich wegen einer möglichen seelischen Behinderung Ihres Kindes Sorgen machen oder überprüfen lassen wollen, ob bei Ihrem Kind eine Legasthenie vorliegt, dann nehmen Sie doch  Kontakt mit dem Jugendamt auf.

Jugendamt Nürnberg >>