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SehenBewegenBemerkens-Wert

Die visuelle Wahrnehmung und die Verarbeitung der Wahrnehmungen ist die Grundlage des Bewußtseins. Die Augen selbst nehmen lediglich Farbe, Licht und Kontrast war und versuchen durch die Anpassung an Nähe und Weite jeweils ein möglichst scharfes Bild zu bekommen. Sehen bedeutet aber weit mehr als das. Ein Bild der Wirklichkeit schaft erst die Verarbeitung im Gehirn – Raum, Formen, Horizontale …. Gleichgewicht und Körperhaltung hängen eng mit den Augen zusammen, beim Gehen-Laufen-Springen-Fahren-Klettern-Sitzen, nicht zu vergessen sind die Fähigkeiten der Hand dank der feinen Koordination mit den Augen.

Meist unbemerkt von Eltern und Erziehern hat sich die Sehfähigkeit des Kindes nicht vollständig entwickelt – häufig liegt eine Atlas-Blockade vor oder es findet sich keine Ursache. Wenn die Untersuchungssituation und der erfahrene Blick einen Anfangsverdacht erhärtet haben, wird eine exakte optometrische Messung empfohlen. Ob es dann im Weiteren zu einer Brille kommen sollte, wird die Beratung beim Optometristen erweisen. Es entstehen weitere Kosten, die Sie direkt bei Herrn Sagolla erfahren.

Für Kinder mit Atlas-Problemen, Geburtstraumata und sonstigen orthopädischen Problemen

Die Zusammenarbeit Osteopathie – Ergotherapie hat uns und vielen Eltern und Kindern gezeigt, wie effektiv bei der Nachentwicklung der Wahrnehmungs- und Bewegungsfähigkeiten geholfen werden kann. Der Orthopäde rechnet teils per gesetzlicher Krankenkasse und teils privat ab. Der Osteopath stellt eine Privatrechnung. (Liste der Krankenkassen, die Kosten übernehmen >>>)

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Wenn wir Kinder vor uns haben, die in der Vorschulzeit den Stift merkwürdig halten oder gar nicht malen oder basteln wollen, sich am Tisch nicht aufrecht halten können, ständig herumzappeln, sich von allem ablenken lassen, sich lieber am Boden aufhalten …, kommt vielleicht niemand auf den Gedanken, dass Schwangerschaft und Geburt auch beim Kind Spuren hinterlassen haben könnten. Manchmal verordnet der Kinderarzt Ergotherapie oder Medikamente, oder es geschieht gar nichts, weil davon ausgegangen wird, dass „sich das schon noch auswächst“.

Übersehen wird aber, dass die Entwicklung der höheren geistigen Fähigkeiten (Schrift, Mathematik, Zusammenhänge erkennen, Denken, Sprache, …) eine ausgereifte Bewegungs- und Wahrnehmungsfähigkeit voraussetzen. Jede Vorstellung muß erst einmal eine Handlung gewesen sein! Und ab dem Schulalter wird zunehmend erst „vorgestellt“, bevor gehandelt wird.

Beispiel: um Nachbarzahlen zu erkennen oder zu wissen, ob 15 größer ist als 9, muß das Kind den inneren Zahlenstrahl entwickelt haben. Der geht von links nach rechts, und die Zahlen ordnen sich der Größe nach in der inneren Vorstellung an. Hat es aber seinen Körperraum und den Außenraum nicht genügend erfaßt und hat es die Raumdimensionen und -richtungen nicht verinnerlicht, wird es mit dem Rechnen Schwierigkeiten haben.

Entwicklung

Das Gleichgewichtssystem, der Tastsinn, das Körperbild und -bewußtsein und der Bewegungssinn geben dem Menschen den eigenen Bezugspunkt im Raum und in der Zeit, und die Gewißheit seiner Existenz. Fehlt dieser Bezugspunkt oder ist er ungenügend entwickelt, bleibt das Kind unsicher, das Körpergefühl kommt dann dem eines Astronauten in der Schwerelosigkeit gleich. Das Kind erfährt bis zur Geburt, wegen der zunehmenden Enge, seinen Körper. Es ist in gebeugter Haltung und muß sich durch die Bewegungen der Mutter bereits in abgedämpfter Form mit der Schwerkraft auseinandersetzen. Die Reflexe entwickeln sich. Voll ausgebildete Reflexe sind notwendig, um geboren zu werden und erste Wahrnehmungen und Bewegungen vor, während und nach der Geburt zu ermöglichen. Kommt ein Kind mit Kaiserschnitt zur Welt, mußten bestimmte Reflexe nicht aktiv werden, Tast- und Bewegungssinn blieben unangesprochen – und grundlegende Körpererlebnisse fehlen.

Nach der Geburt bleibt das Kind zunächst, vor allem in Bauchlage, in gebeugter Haltung. Bald hebt es sein Köpfchen, bis es in der Lage ist, es zu halten. Damit erweitert sich sein Seh-Raum, und es wird bald seine Hände entdecken, die immer absichtsvoller und gezielter nach Dingen greifen können (Beugung gegen die Schwerkraft, in Rückenlage). Die ersten Koordinationen entwickeln sich – Auge-Hand-Mund-Fuß. Die ganz wesentliche Körpermitte entsteht. So geht es im ersten Lebensjahr weiter, bis das Kind in der Lage ist, sich selbst aufzurichten und wirklich eigene freie Schritte zu tun. Dabei zählt für die Entwicklung der eigene Antrieb zum Aufrichten und Laufen! Die Überwindung der Schwerkraft ist geschafft, der Gleichgewichtssinn kann sich weiter entwickeln, die Raumdimensionen werden erlebbar – vorne-hinten, oben-unten, links-rechts.

Die bereits erwähnten Reflexe müssen bis zu einem bestimmten Alter gehemmt werden, um wirklich alle Bereiche der Wahrnehmung und Bewegung zu entwickeln. Andere Reflexe entwickeln sich zu sogenannten Stell- und Stützreaktionen weiter, die lebenslang bestehen. Die Strukturen im Kopf- und Halsbereich sind für die Entwicklung der willkürlichen Bewegung, der Wahrnehmung und der Aufmerksamkeit des Kindes besonders wichtig. Die Kopfstellreaktionen sorgen dafür, dass der Kopf immer aufrecht ist, auch wenn sich die Körperstellung verändert, die Augen gewährleisten ein stets senkrechtes Bild. Die gesamte Körperspannung paßt sich den Gegebenheiten an. Dazu muß der Kopf unabhängig vom Körper, und die Augen unabhängig vom Kopf bewegt werden können, der Rumpf muß sich selbst halten lernen, damit Kopf und Augen ihren Bezug zur Horizontale entwickeln und Arme und Beine frei bewegbar werden können. Kinder mit unreifen Bewegungsmustern können die notwendigen Erfahrungen in einzelnen Bereichen nicht machen, weil sie manche Tätigkeiten einfach meiden. Es wird zu Störungen der Feinmotorik, zu verkrampften Schreibhaltungen und unleserlicher Schrift, bis hin zu Lese- Rechtsschreib-Rechenstörungen und sozialen Auffälligkeiten kommen. Aufmerksamkeit und Konzentration werden von den Strukturen im Halsbereich beeinflußt. Sind Verspannungen oder Verengungen da, ist die Weiterleitung der Informationen zum Thalamus und den weiteren verarbeitenden Gehirnbereichen nicht optimal. Das Gehirn lernt nicht, Wesentliches und Unwesentliches zu filtern und selektieren – die Fülle der Wahrnehmungen wird zum Chaos, die Steuerung kann sich nicht altersgemäß entwickeln, wir sehen eine überreizte Ablenkbarkeit.

Oder es kommt zu einer zu geringen Aktivierung, und wir haben vielleicht einen Träumer vor uns. Wie oben bereits erwähnt, ist die Entwicklung des Gleichgewichtssystems ein wichtiger Aspekt. Das Kind liegt geraume Zeit in der bekannten Beckenendlage und ist zunehmend der Schwerkraft ausgesetzt durch die Bewegungen der Mutter. Muß eine Mutter wochenlang liegen, hat das Folgen für den Gleichgewichtssinn des Kindes. Kommt das Kind aus einer anderen Lage auf die Welt, hat das ebenfalls Konsequenzen, auf die besonders geachtet werden muß. Das Gleichgewichtssystem ermöglicht es dem Kind, sich selbst als Mittelpunkt seiner Welt, sich selbst als Bezugspunkt im Raum zu empfinden. Beschleunigung wahrnehmen, Balance finden bei Unebenheiten, Aufrechte und Symmetrie empfinden und die Schwerkraft überwinden – das sind die wichtigsten Aufgaben des Gleichgewichtssystems. Hinzu kommt die enge Zusammenarbeit mit den Stell- und Stützreaktionen und den Augenbewegungen.

Aus den kurzen Ausführungen ist sicherlich deutlich geworden, wie gut sich die osteopathische Behandlung und die ergotherapeutische Therapie für Kinder zuarbeiten können. Daher bietet sich eine vorsorgliche Überprüfung der körperlichen Entwicklung im letzten Kindergartenjahr an, um möglichen Verzögerungen oder Hemmnissen rechtzeitig auf die Spur zu kommen. Viel Leid, Frustration und Selbstzweifel kann Kindern und Eltern erspart werden, wenn zur rechten Zeit das Rechte getan wird.

1. Februar 2015

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